Warum es okay ist, schlechte Laune zu haben

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Heute ist wieder einer dieser Tage: alles misslingt, schon beim Aufstehen hast du gewusst, dass es nicht gut ausgehen wird. Seltsamerweise spürt auch die ganze Welt schon, dass du heute nicht so viel wegstecken kannst wie gewöhnlich und man überschwemmt dich mit schlechten Nachrichten und dein Postfach quillt über mit E-mails, die dir dann auch noch den Rest geben. Selbst die Menschen in der U-Bahn spüren: heute ist nicht dein Tag. Du bist mies gelaunt, siehst auch so aus und das wird sich nicht ändern – und das ist auch gut so!

Schlechte Laune Tage sind keine verlorenen Tage


Auch ich habe manchmal den Blues. Das Verrückte daran ist, dass ich meistens auch gar nicht möchte, dass er wieder vergeht – ich genieße es dann, mich in meinem Elend zu suhlen, einen faden Geschmack im Mund zu haben und von nichts und niemandem motiviert werden zu können. Gleichzeitig habe ich dann aber auch das Gefühl, mein Leben zu vergeuden – denn wenn der Spruch „Carpe diem“ schon auf jeder Kaffeetasse in jedem Büro dieser Welt zu finden ist, dann muss doch auch was dran sein. Doch ich verschaffe mir immer wieder mit einer Erkenntnis Erleichterung und vielleicht gibt es Tage, an denen dir folgendes auch weiterhilft: Es ist völlig okay, einen schlechten Tag zu haben.

 

Wir sitzen in der Achterbahn der Gefühle


Und das meine ich völlig ohne Hintergedanken oder moralische Keule. Es ist wichtig, sich auch diesem Gefühl hinzugeben, alles andere wäre nicht authentisch. Jeder, der behauptet, er sei IMMER hochmotiviert und gut gelaunt hat entweder eine Hormonstörung oder er lügt schlichtweg. Es gibt nur eine feine Nuance, die es zu bedenken gibt: es ist okay, schlecht gelaunt zu sein – aber das sollte genauso wieder vorübergehen wie es gekommen ist. Hält sich dieses Gefühl über mehrere Tage oder Wochen, dann hat es vermutlich andere Gründe als nur mal einen schlechten Tag zu haben. Wir sitzen in einer Achterbahn der Gefühle – während in der Pubertät die Berg- und Talfahrten wie Hakenschläge wechseln, glätten sich die Wogen wieder, wenn wir älter werden. Unsere Gefühle müssen sich abwechseln – es ist quasi lebensnotwendig. Andernfalls würden wir in eine Lethargie verfallen, wenn es weder Spitzen noch Gräben gibt.

 

Lass der schlechten Laune ihren Freiraum


Wenn du schlechte Laune hast, dann zelebrier das, wenn du willst. Mach abends die Vorhänge zu, kauf dir was zum Naschen und lass die Welt Welt sein. Allein die Aussicht auf einen solchen Abend bewirkt bei mir schon, dass sich meine Laune verbessert. Und ganz ehrlich? Ich genieße es dann auch ohne schlechtes Gewissen Kohlehydrate waldbrandartig zu vernichten und eine neue Netflix-Serie zu gucken. Es fühlt sich an, als würden sich meine Akkus wieder aufladen und am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder anders aus, als wäre jemand nachts mit Eimer und Farbe nach draußen gegangen und hätte frisch gestrichen. Es ist so wichtig, da ehrlich mit sich selbst zu sein.

Du musst nicht immer stark sein


Selbstverständlich gibt es da Tage im Berufsleben oder auch privat, da kommt das zeitlich extrem ungelegen – ein Projekt befindet sich in der heißen Phase oder der Terminkalender quillt über – oder es gibt Freunde oder jemanden in der Familie, für die man da sein muss. Für solche Tage kommt mir immer ein Zitat in den Sinn, das ich bei einem Vortrag von niemand geringerem als Jimmy Kelly (ja genau der, der Millionen mit Musik und seinen Geschwistern verdient hat und dann alles verloren hat) gehört habe: „Ignore the moods!“ – Ignoriere die Stimmungen! Es gibt diese Tage, da ist das der beste Ratschlag, den man sich vorstellen kann – manchmal muss man einfach funktionieren und meistens dann, wenn man gebraucht wird, verändert sich die gesamte Wahrnehmung unserer Lage und unserer Gefühle und wir sind stark; aus dem Nichts und für alles bereit, das getan werden muss. Doch wir müssen nicht immer so stark sein.

Und ich weiß ja, wir schütteln oft den Kopf, wenn wir schlechte Laune haben – ganz einfach, weil es dafür meistens gar keinen Grund gibt! Wir sind gesund, haben dein Dach übern Kopf, einen Job und Freunde, die uns immer wieder pushen können – aber es ist wichtig, sich klarzumachen, dass es nie darauf ankommt, dass es anderen schlechter geht als uns. Es ist in Ordnung, dass es im Paradies mal regnet. Vielleicht ist es sogar notwendig, damit wir erkennen, dass wir im Paradies sind. Wer schon mal einen richtig fiesen Bauchmuskelkater hatte, weiß plötzlich, dass man diese Biester für fast alles braucht und genießt es plötzlich wieder, schmerzfrei Schubläden zu öffnen. Wir brauchen keinen Anlass und das ist auch völlig in Ordnung.

 

 

Wenn du also das nächste Mal mit so richtig schlechter Laune aufwachst und sich die ganze Welt scheinbar gegen dich verschworen hat, denk daran: Es ist völlig okay, einen schlechten Tag zu haben. Vergiss bloß nicht: dieser Tag ist nicht schlimmer als andere, wir können nur besser mit solchen Situationen umgehen, wenn es uns gut geht. Kopf hoch und dann am Abend Kopf auf das Kissen und Kopf aus – die Welt kannst du wieder am Tag danach retten, versprochen!


photo credits: marek&beier

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ist Fotograf und Mental Coach in Einem. Mit seinem Wissen und Feingefühl bringt er jeden Menschen auf Fotos zum Strahlen. Egal ob er Gedichte schreibt, Vorträge hält oder eigene Songs textet er lässt sich dabei von der Liebe antreiben. Was er anpackt hat Herz.

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