Mein erstes Jahr als Veganerin – Ein ehrlicher Rückblick

Am 1. November 2015 beschloss ich für 30 Tage vegan zu leben. Einen Monat lang waren Fleisch-, Fisch-, Milchprodukte und andere tierische Erzeugnisse für mich tabu. Aus dem Experiment wurde mein neues Lebensmodell und Ende 2016 durfte ich sogar meinen ersten Vegan-Geburtstag feiern. 🙂

 

Wie geht es mir gesundheitlich?


Mein Energielevel ist gestiegen. Ich fühle mich körperlich fit und belastbar. Seit dem Veganstart-Programm vor etwas über einem Jahr war ich kein einziges mal durch einen Infekt krank. Meine Haut ist viel strahlender und reiner als vorher und mein Bauch nur noch selten aufgebläht. Außer ich hab mal wieder zuviel Krautsalat gegessen 😀

Emotional sieht es leider etwas anders aus, nachdem ich vieles über die Tier(aus)nutzindustrie recherchiert hatte, bin ich auf grausame und Bilder und Filme gestoßen, die ich nie wieder aus meinem Kopf bekommen werde. Es gab eine Zeit, in der ich total verzweifelt war, weil ich allen Tieren auf einmal helfen wollte, es aber nicht konnte. Die Bilder des Schlachthofes verfolgten mich bis in meine Träume und wenn Menschen mit echtem Pelz an mir vorbeiliefen, stiegen mir Tränen in die Augen. Ich weiß, ich kann andere Menschen nicht ändern aber ich kann mich selbst verändern und das tat ich.

Mittlerweile sehe ich mir nur noch wenige dieser Aufklärungsfilme an, um mich emotional nicht weiter zu belasten. Dennoch finde ich es wichtig zu wissen, woher die Dinge kommen, die ich früher zu kaufen pflegte: Leder aus Indien zum Beispiel,  hier werden die Kühe oft noch bei vollem Bewusstsein gehäutet. Die schicken Wollpullis sind in meinem Augen auch nicht mehr schön, Schafe haben unglaubliche Angst bei der Schur, werden getreten, verstümmelt und manchmal sogar dabei getötet.

 


Bin ich zu 100% vegan?


Nein. Auch wenn ich es gerne wäre. Ich lebe bisher zu circa 99% vegan. Es gab zwei, drei Momente in diesem Jahr in denen ich Käse nicht wiederstehen konnte. Als ich im Urlaub in Portugal auf einem Markt schlenderte, probierte ich ein Stück Ziegenkäse und unterhielt mich mit dem Verkäufer. Er garantierte mir, dass Mutter und Kind zusammenleben dürfen und das Baby genug Muttermilch bekäme. Nachprüfen konnte ich das natürlich nicht. Und vor einem Monat war ich feiern und nahm mir ein Stück Käsepizza, das meine Freunde gekauft hatten. Bald spürte ich, dass ich das fette Essen gar nicht mehr vertrage. Nach solchen Ausrutschern meldet sich fast umgehend mein innerer Moralapostel und sagt mir, dass ich auf dem veganen Weg besser aufgehoben bin. Jeder mag andere Ernährungssünden haben, wichtig ist, sich Ausrutscher auch mal zu vergeben und dann wieder zu versuchen die beste Version seiner selbst zu sein.

Mein Kleiderschrank ist auch noch nicht komplett vegan, ich kaufe nichts mehr tierischen Ursprungs wie Leder, Wolle oder Seide. Aber ich habe noch Restbestände, mit denen ich im Moment noch nicht weiß was ich machen soll. Ich bin typisch schwäbisch erzogen worden, wenn die Leggins kaputt ist dann wird sie als Putzlumpen verwendet – heißt mir fällt es schwer Dinge wegzuschmeißen, die noch für etwas zu gebrauchen wären. Was definitv raus musste war meine Lederjacke. Auf einmal fühlte ich die Realität: Ich trug die Haut eines anderen Lebewesens um mich damit zu schmücken. Als ich das erste Mal bewusst auf das eingenähte Schild in Innenteil der Jacke sah las ich: Lammleder. Hier musste ein Tierbaby sterben damit ich mich einkleiden konnte.

 

Vermisse ich etwas?


Wie ich es vor einem Jahr in meinem Fazit zur 30-Tage-Vegan-Challenge schon geschrieben habe: Ja, etwas vermisse ich – Käse und Lachs. Aber was ich vielmehr vermisse ist die Gemeinschaft beim Essen. Das Gefühl dazuzugehören, dasselbe zu essen wie meine Familie. Wenn man an Weihnachten oder Familienfeiern zusammenkommt, bin ich die Einzige, die fleischlos isst und das fühlt sich manchmal an, als käme ich von einem anderen Planeten. Ich glaube aber, dass dieses Gefühl gar nicht so sehr durch meine Familie ausgelöst wird, als wie von mir selbst. Ich habe realisiert, dass die Veränderung hin zum Veganer etwas ist, in das ich langsam hineinwachsen muss. In früheren Zeiten war es sehr gefährlich „anders“ zu sein: Da konnte man schon einmal auf dem Scheiterhaufen landen wenn man gerne Kräutertee trank und Salben herstellte. Gott sei Dank leben wir heute in einer offeneren, kulanteren Gesellschaft.

 

 

 

Wie hat mein Umfeld reagiert?


Ganz ehrlich gesagt, die Reaktionen waren sehr gemischt. Von schockiert, neugierig, irritiert, interessiert, verständnisvoll, abwehrend, freundlich bis sogar feindlich, war der ganze Regenbogen an Gefühlen dabei. Als Veganer musst du dich darauf gefasst machen dich immer wieder einmal ausgeschlossen oder „fehl-am-Platz“ zu fühlen. Menschen stehen prinzipiell Veränderungen erst einmal skeptisch gegenüber und haben Angst von dir als Andersdenkender verurteilt zu werden. Wenn du dich in dieser Lage wiederfindest, dann versuche mit ihnen über dieses sensible Thema liebevoll und nicht angreifend zu sprechen.

Es gibt leider auch Menschen, die mich ständig angefeindet oder beleidigt haben. Dann habe ich versucht diese Person zu meiden und mich nicht an einer Diskussion zu beteiligen. Wenn es sich aber um Menschen handelt, mit denen ich gerne eine gute Beziehung pflegen möchte, zum Beispiel Freunde, Familie oder Kollegen, dann versuche ich ihnen klar zu machen, dass dies mein eigener Weg ist, den niemand mit mir teilen muss – ich möchte lediglich akzeptiert werden wie ich bin. Grundsätzlich fange ich nie von selbst an über meine Ernährung zu sprechen. Ich spreche nur darüber wenn mich jemand dazu befragt. Ich habe eine Regel: Keine Diskussion am Esstisch. Während sich jemand ein Rindersteak einverleibt, wird er nicht offen sein für meine Geschichten über Tofu und Tierleid, das erzeugt nur Spannungen. Sagen wir jemand hat wirklich Interesse an meinem Lebensstil, dann ist es wahrscheinlich besser sich nach dem Essen in Ruhe bei einer Tasse Tee darüber zu unterhalten.


 

Ist vegan leben gesund?


Chips sind vegan, Weißmehlpasta ist vegan, süßes Popcorn ist vegan aber ist das auch gesund? Wenn ich mich als Veganer nur von einer kleinen Auswahl an Fertigprodukten ernähre, dann sicher nicht! Ich persönlich setze auf viele frische Bio-Lebensmittel und ernähre mich ausgewogen, um alle Nährstoffe zu erhalten. Wer sich ein bisschen informiert oder zur veganen Ernährungsberatung geht, der kann ein gesundes Leben als Pflanzenköstler führen.

Viele haben immer noch die weitverbreitete Meinung, die beste und größte Proteinquelle wäre das Fleisch. Dabei gibt es in der pflanzlichen Ernährung hochwertige Eiweißquellen die den Eiweißanteil im Fleisch weit übertreffen oder zumindest mithalten können. Zum Beispiel Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen, Bohnen, Lupinen, Erdnüsse, sowie alle Erzeugnisse aus Sojabohnen (z.B. Tofu oder Tempeh). Pflanzliches Eiweiß kann der Körper einfacher und schneller in Energie umsetzen, deswegen leben bereits viele Profisportler vegan oder teilweise vegan.

 

Taifun Räuchertofu  Lupinenaufstrich  Weiße Jumbo Bohnen Erdnussmus
Taifun Räuchertofu Bio  Lupinenaufstrich Mango-Chili Weiße Jumbo-Bohnen Erdnuss-Mus  

Möchtest du sehen was ich täglich esse? Dann begleite mich in meinem Alltag auf Instagram!

 

 

Vitamin B12 Mangel


Das einzige Vitamin, das auch bei einer vollwertigen veganen Ernährung nur in geringen Dosen aufgenommen werden kann ist Vitamin B12.  Mit einem Vitamin B12 Mangel ist nicht zu spaßen, er kann zu Müdigkeit, Depression und irreversiblen Schäden am Nervensystem führen. Vitamin B12 käme natürlicherweise im Ackerboden vor und würde somit auch von Gemüse aufgenommen werden, aber unsere Böden sind durch Massentierhaltung und Chemiesierung zerstört. Eine Bildung von Mirkoorganismen, welche das B12 bilden, ist somit nicht oder nur geringfügig möglich. Die sogenannten Nutztiere bekommen ein chemisch gewonnenes Vitamin B12 durch Spritzen in ihren Körper oder durch Nahrungsergänzungsmittel in ihren Futtertrögen verabreicht. Trotzdem leiden auch viele Fleischkonsumenten unter einem B12 Mangel und sollten sich über eine eventuell notwendige Supplementierung informieren.

Ein wirklich natürliches Mittel das dafür sorgt, dass sowohl Veganer als auch Nicht-Veganer genügend Vitamin B12 zu sich nehmen, ist diese wunderbare Pflanze: Die Quecke. In diesem Artikel des vegan Magazins kannst du mehr darüber lesen.

 

Mein natürliches B12

Dr. Pandalis Sidea B12 Bio vegan Granulat 50g


 


Erzähl mir von deinen Erfahrungen! Isst du gerne Fleisch oder bist du vielleicht selbst Veganer? Schreib mir deine persönliche Geschichte in die Kommentare! Hier habe ich dir einige vegane Rezepte online gestellt falls du neugierig bist und den veganen Lebenstil einmal austesten möchtest.

Bleib gesund!

Unterschrift

Mehr Infos findest du hier

 

Photocredits: Florian Beier

 

 

image_pdfimage_print

author-avatar

Sandra ist eine Genussweltenbummlerin die gerne neue Länder und Kulturen entdeckt. Rezepte auf Pflanzenbasis zu entwickeln lässt ihr Herz höher schlagen. Sie ist ein Green-Networker und beschäftigt sich mit Persönlichkeitsentwicklung, Ernährungslehre und Tierschutz. Seit 2017 ist sie Studentin der Akademie der Naturheilkunde und lässt sich zur Fachberatin für holistische Gesundheit ausbilden.

2 Replies to "Mein erstes Jahr als Veganerin – Ein ehrlicher Rückblick"

  • comment-avatar
    Ramona 18. Januar 2017 (14:17)

    Toller Blogeintrag 🙂 ich beschäftige mich seit Kurzem auch recht intensiv mit meiner Ernährung, da ich letzten Sommer zweimal Bauchschmerzen hatte, nachdem ich Fleisch gegessen habe.
    Ob ich jemals zum Veganer werde, weiß ich nicht. Aber zumindest habe ich seitdem meine Ernährung grundlegend verändert. Fleisch kommt nur noch ganz selten auf den Teller und wenn dann nur Bioqualität, auswärts esse ich es gar nicht mehr. Überhaupt kaufe ich nur noch Biolebensmittel ein. Auf tierische Milch verzichte ich komplett. Bei Käse, Eiern und Quark tu ich mich leider noch sehr schwer, vor allem weil ich nicht so viel Soja essen möchte. Das soll ja auch nicht sooo gesund sein. Dafür esse ich nun nur noch vegane Süßigkeiten, weil man da meiner Meinung nach eh keinen Unterschied schmeckt 😀
    Mein Umfeld hat bisher eigentlich sehr positiv darauf reagiert. Alle waren sehr verständnisvoll und fragen seitdem immer zweimal nach, ob bestimmtes Essen für mich okay ist 🙂
    Interessant fand ich den Absatz zum B12-Mangel und dass den auch Fleischesser haben können. Das wusste ich bisher noch gar nicht.
    Ups…jetzt ist der Kommentar doch recht lang geworden. Wir müssen da beim nächsten Blogger Stammtisch mal drüber quatschen 😉

    • comment-avatar
      Sandra 18. Januar 2017 (16:31)

      Hi Ramona,

      man sieht du lebst sehr bewusst. Ob Soja gesund ist oder nicht kommt auf die Verarbeitung an, den Anbau und ob Bio-Qualität vorliegt. Eine Sojamilch die gezuckert ist würde ich zum Beispiel auch nie kaufen. In Sachen Soja gibt es noch so viele offene Fragen, ich denke dazu muss ich mal einen eigenen Blogeintrag schreiben. Wenn du mal leckeren Yoghurt oder Frischkäse probieren willst empfehle ich dir die Luve-Produkte aus Lupineneiweiß, die Lupinen werden sogar in Deutschland angebaut und verarbeitet. Danke, dass du deine Geschichte geteilt hast, außerdem hast mich gerade zu einem neuen Blog-Beitrag inspiriert, wunderbar! 😀

Leave a reply

Your email address will not be published.

CommentLuv badge